Das Jahresthema 2000 führt x.kurs zu einer experimentellen und erfinderischen Untersuchung eines Landschaftsausschnitts.
Dieser Landschaftsausschnitt, ein streifenförmiges Areal in der Nähe von Hof im Frankenwald, beinhaltet typische Elemente einer mitteleuropäischen Kulturlandschaft wie Ebene, Senke, Kuppe, Wiese, Feld, Wald, Weg, Straße, Architektur, ... - er ist das Forschungsfeld, auf das sich unsere Untersuchungen konzentrieren werden.
Anhand noch zu definierender Untersuchungskriterien wie z. B. Farbe, Textur, Licht, Ton, Geschmack, Konsistenz, Geruch, Rhythmus, Störung, Grenze, Sequenz usw. werden subjektiv wahrgenommene sowie objektiv gemessene Eigenschaften und Phänomene des Untersuchungsareals erforscht. Unser Interesse gilt dabei der Sprache der Landschaft, dem Vokabular und der Grammatik der landschaftlichen Phänomene in ihrer naivsten Form, d.h. unter weitgehender Vernachlässigung historischer, sozialer, geologischer, botanischer oder faunistischer Aspekte oder Kontexte. Unsere Ausgangssituation wird die eines Forschers in fremden Welten sein, wir beobachten Phänomene, deren Ursachen und Bedeutungen uns zunächst unbekannt bleiben.
Wie frei kann man sich von vorgefertigen Meinungen und Urteilen in der Beobachtung und Deutung von landschaftlichen Phänomenen machen?
Werden wir Phänomene finden und erforschen können, die wir bisher nicht beschreiben konnten?
Sind die erforschten Phänomene ohne ihre jeweilgen Kontexte intersubjektiv nachvollziehbar und verständlich?
Spielen die wahrgenommenen Merkmale und Phänomene für die Lesbarkeit der Landschaft eine bedeutende Rolle?
An drei aufeinander aufbauenden Labortagen werden wir den "Raum für Notizen" auf unseren Laborberichten füllen:
1. Landschaftsprotokoll: Durch individuelles Annäheren, sensibles Beobachten, erstes Protokollieren und Sortieren werden wir die Untersuchungskriterien für die folgenden Tage zu definieren.
2. Landschaftsproben: Gezielte Probennahme zu den einzelnen Phänomenen im Untersuchungsareal mit unterschiedlichen, zur Untersuchung des jeweiligen Phänomens geeigneter Medien; Analyse der Proben; Interpretation und Darstellung der Ergebnisse.
3. Landschaftsabbild: Aufbau eines abstrahierten Landschaftsabbilds als Konzentrat der Ergebnisse der Landschaftsuntersuchungen; Analyse der räumlichen Schwerpunkte einzelner Phänomene sowie deren Interaktion mit anderen Phänomenen.
Für diese Forschungen steht uns ein umfangreiches Feldlabor ausgestattet mit Computern, Scannern, Druckern, digitalen Videokameras, digitalen Fotoapparaten, Tonbandgeräten, Mikroskopen, Vermessungsinstrumenten, physikalischen Meßgeräten und chemischen Analysemitteln zur Verfügung.
Stattgefunden hat die Aktion vom 19.08.2000 - 23.08.2000 in der Umgebung von Untertiefengrün an der Saale bei Hof, direkt an der Grenze zwischen Bayern und Thüringen im Frankenwald.
Abbildungen & Text © 1998-2006 x.kurs e.V.